Rent-a-chicken:
Hühner in Kurzzeitpflege

Einzüge sind in einer Senioreneinrichtung nichts Besonderes. Ungewöhnlich sind gleich fünf „Neue“ an einem Tag – zumal dann, wenn es sich um Hühner handelt.

Seit dem 8. September hat das AWO Seniorenzentrum Wilhelm-Lantermann-Haus in Dinslaken fünf Legehennen – quasi in Kurzzeitpflege. Durch einen Zeitungsbericht war das Seniorenzentrum auf die Miethühner aufmerksam geworden – und entschloss sich, das Konzept des „Rent-a-chicken“ zu testen. Das notwendige Equipment für das Gehege und die Utensilien, die man für die Versorgung braucht, lieferte der Anbieter, Chicken on Tour aus Ratingen, direkt mit. Die richtigen Pflegehinweise gab es natürlich dazu. „Man hat uns erklärt, dass die Damen verwöhnt werden wollen – am liebsten mit gekochten Nüdelchen,“ sagt Lisa Bacht vom Sozialen Dienst des Wilhelm-Lantermann-Hauses. Die Tiere zu verwöhnen ist ein Leichtes für die Bewohner*innen. Und auch die Belegschaft kümmert sich engagiert: In ihrer Pause stehen die Mitarbeiterinnen der Küche am Gehege und füttern die Pensionsgäste mit Salat.

Tägliches Highlight für alle ist das Einsammeln der Eier. Die Krönung: das erste Rührei aus dem eigenen Gelege. “Die Hühner sind eine tolle Abwechslung im doch arg eingeschränkten Corona-Alltag,“ findet Lisa Bacht. „Jeden Tag gibt es etwas zu tun.“ Um die Pflege kümmern sich im Wechsel Gäste und Mitarbeiter*innen der Tagespflege und Bewohner*innen und Belegschaft des Seniorenzentrums. Auch die Herren beteiligen sich mit Elan an der Fütterung und am Säubern des Geheges. Mittlerweile haben die Hühner auch Namen: Marina, Käthe, Berta, Lieselotte und Susi. Die Abstimmung unter Bewohner*innen, Tagespflegegästen und Angehörigen hat das so ergeben.

Ansonsten sitzen die Senior*innen manchmal einfach nur vor dem Gehege, beobachten die neuen Mitbewohnerinnen und freuen sich, dass sie so zutraulich sind. Faszinierend für viele: wie weich die Tiere sind. „Hühner begeistern nicht nur Groß und Klein,“ so Einrichtungsleiter Marco Herding. „Sie haben auch eine therapeutische Wirkung. Bei älteren Menschen wecken sie außerdem oft Erinnerungen an früher.“

Morgen ist Abreisetag für die tierischen Gäste. Insgesamt drei Wochen waren sie dann im Wilhelm-Lantermann-Haus. Natürlich sind alle sehr traurig – und würden die Hennen am liebsten behalten. „Dafür müssten wir aber erstmal die Frage klären, ob wir eine Versorgung dauerhaft würden stemmen können,“ gibt Marco Herding zu bedenken. Bis aus der Kurzzeitpflege vielleicht irgendwann eine stationäre wird, ist die Hühnervermietung auf jeden Fall eine gute Alternative für das Wilhelm-Lantermann-Haus. Im nächsten Jahr gibt es sicher wieder Hühner.

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